Montag, 27. April 2015


Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit sexueller Aktivitäten und der Höhe des  Einkommens.

In seinem Artikel "The effect of sexual activity on wages" beschreibt der Wissenschaftlter Nick Drydakis, der auch am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn tätig ist, einen interessanten Effekt, insbesondere bei den 26 bis 50-Jährigen Testpersonen.
Probanden, die von durchschnittlich zwei oder drei sexuellen Aktivitäten pro Woche berichten, verzeichnen im Schnitt ein 4,5 Prozent höheres Einkommen als diejenigen, die sexuell enthaltsamer leben.

Die sexuelle Orientierung spielt dabei übrigens keine Rolle.

Klassischerweise werden, so heißt es in dem Forschungsbericht, die allgemeine Gesundheit, kognitive Fähigkeiten und die Persönlichkeit als die wichtigsten Faktoren für das erzielte Gehaltsniveau angesehen. Auf der anderen Seite gilt die sexuelle Aktivität auch als Gradmesser für den allgemeinen Gesundheitszustand, für die Lebensqualität und das Glücksempfinden. Daher erscheint der gefundene Zusammenhand als plausibel.

Foto:  Andrey Burmakin (C), Fotolia

Weitere Links:

More Sex Means More Money
http://www.thedailybeast.com/articles/2015/04/25/more-sex-means-more-money.html

The Effects of Sexual Activity on Wages - Diskussionspapier 2013
http://ftp.iza.org/dp7529.pdf



Sonntag, 22. Februar 2015

Kriminalpsychologie in der europäischen TV Serie "Profiling Paris"

Profiling Paris ist eine europäische TV-Serien-Produktion, die in diesen Wochen im Free TV (Sat1) in Deutschland angelaufen ist, obwohl schon 54 Folgen existieren. Das reicht für mehrere Seasons, also Staffeln.

Aufmerksam wurde ich auf die Serie, da im Mittelpunkt eine außergewöhnlich begabte Kriminalpsychologin steht,  die dank ihrer Intuition und der Fähigkeit, die Perspektive von Gewaltverbrechern zu übernehmen, entscheidend dazu beiträgt, verwickelte Kriminalfälle zu lösen, die in Paris spielen.  

Ich sah nun die ersten Folgen. Ich finde, hier zeigt sich wieder, wie sehr amerikanische TV-Produktionen den unseren voraus sind. Eine ins Abstruse wirre Krimistory und dazu ein Mischmasch aus „Monk“, „CSI“, „Law&Order: SVU“, „The Mentalist“ und ähnlichen Produktionen dieses Genres. Das macht die Figur nicht glaubwürdiger. Warum holen sich die Produktionsfirmen keine Scientific Consultant wie das in ähnlichen amerikanischen Produktionen üblich ist?

In der zweiten Folge der ersten Staffel, die ich sah, wurde der Konflikt zwischen Schulmedizin und Homöopathie thematisiert. Die Beiträge der Profilerin Chloé, dargestellt von Odilie Vuillemin wirkten auf mich wirr. Viele Statements erschienen  psychodynamisch motiviert, wirkten aber wenig authentisch. In diversen Verhörszenen gings dann eher wieder behavioristisch zur Sache. Alles wirkte aufgesetzt und kaum nachvollziehbar.


Das Nette an dieser Serie bisher ist: Wir sehen viele, schöne Bilder aus Paris und die Hauptdarstellerin ist hübsch. Das Team um sie herum bietet ein wenig Stoff für Konflikte, für tiefere multidimensionale Charakterausleuchtungen erscheinen die Figuren aber zu platt, kein Vergleich zu der glänzend dargestellten Figur Olivia Benson in „Special Victims Unit“ (Mariska Hargitay).

Eine anfangs - wie ich dachte - vielversprechende Serie, die Psychologie bzw. Psychopathologie thematisiert hat, war "Black Box" mit der überzeugenden Hauptdarstellerin Kelly Reilly, die eine Neurologin spielt, die selbst unter einer psychiatrischen Störung leidet, nämlich, wie die Serie es sagt, an einer bipolaren Störung. Allerdings treten bei ihr auch Psychosen auf. Leider hat es die Serie nur zur Miniserie geschafft. Nach 13 Folgen war schon Schluß. Angenehm war, dass diesmal keine Kriminalfälle in Zusammenarbeit mit dem FBI zu lösen waren. Die Serie spielte eher im Dr.House Milieu, war also eine Krankenhausserie.

Eine weitere Serie, in der Schizophrenie thematisiert wurde und um Längen überzeugender ist, war "Perzeption". Auch hier hat ein Hochschulprofessor mit psychiatrischem Leiden das FBI bei der Lösung von Mordfällen zu unterstützen. 

Dienstag, 17. Februar 2015

Mathematische Modelle hinter dem Online-Dating von OKcupid

Die Dating-Plattform OKcupid arbeitet mit drei Säulen, um zwei User(innen) auf Passung als Paar abzuschätzen. OKcupid arbeitet stark mit Fragen, die die User beantworten sollen. Bei entsprechenden Antworten kann man Übereinstimmungen und Unterschiede bewerten. 



Bei OKcupid können neben den reinen Antworten auch die Wichtigkeit, die der User oder die Userin dem abgefragten Sachverhalt zumisst und die Erwartung des gewünschten Partners bzw. der gewünschten Partnerin herangezogen werden. Auf dieser Datenbasis können nun Teilnehmer gegenseitig vorgeschlagen werden, so dass die Vorschläge relevant erscheinen. 


Auf der Grundlage der Eingaben der Userinnen und User lässt sich ein Match-Prozentsatz angeben, der Passung und Erwartung in sich vereint. Das Video erklärt dies en detail. 



Mobil telefonieren und Texte eintippen während des Autofahren, ist normal (zumindest in USA)

In den USA ist ein allgemein üblich, während des Autofahren das Smartphone zu benutzen. Eine Studie hat dies nun genauer beleuchtet.

Zu den häufigsten Tätigkeiten gehören mobil telefonieren, Texting, Sexting.  http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/cyber.2014.0535 … #cyberpsychology

Mittwoch, 6. August 2014

Auch OkCupid (Dating-Seite) experimentiert mit Informationen aus Nutzer-geniertem Content und dessen Verarbeitung

Nicht nur Facebook experimentierte systemtisch mit Userdaten und -inhalten, sondern auch die Datingsite OKCupid (USA).

Im Falle von Facebook wollte man herausfinden, ob das Verhalten der User sich verändert, je nachdem ob man ihnen tendenziell positive oder negative Meldungen in der Timeline anzeigt. Während sich Facebook auf einen "informed consent" seiner User berief, stimmten dem viele nicht zu, sondern sahen unethische Täuschung in der Methode.

Auch bei OKCupid ist der Täuschungsvorwurf nicht von der Hand zu weisen: Hier ging es darum, zu sehen, wie sich das Kommunikationsverhalten zwischen zwei "gematchten" Usern ändert. Ein "Match" liegt im allgemeinem Verständnis dann vor, wenn die Datingplattform zwei zueinernander passende Profile vorschlägt, was durch Usereingaben und Algorithmen ermittelt wird. Die Spezialität von OKCupid ist dabei, dass dem Usern Fragen zur persönlichen Einstellung zu Lebensereignissen oder auch transzendentalen Dingen gestellt werden.

Aus verschiedenen Interaktionen und Eingaben berechnet OKCupid einen "Match Score", der in Prozent angeben ist und die Passung beider potentieller Partner widerspiegelt.

Zentrales Element des Angebots ist, dass passende Partner sich finden, was über die Anzahl der ausgetauschten Mitteilungen und die Nennung von Kontaktinformationen ausserhalb der Plattform oprationalisiert ist (z.B. Bekanntgabe der Telefonnummer).

OKCupid wollte wissen, ob es einen Unterschied macht, wenn OKCupid nur vorgibt, dass ein hoher Match Score besteht oder ob gemäß der OKCupid-Algorithmen die potentiellen Partner tatsächlich gut zueinander passen.

Das alles ist im Blog von OKCupid dokumentiert: http://blog.okcupid.com/index.php/we-experiment-on-human-beings/ (Experiment 3, The Power of Suggestion). Das Ergebnis ist, dass die Wahrscheinlichkeit, dass zwei User verstärkt miteinander interagieren deutlich höher ist, wenn die Passung höher ist.

Dennoch ist das Experiment etwas zweifelhaft. Es liegt eine Täuschung vor, nämlich dann, wenn fälschlicherweise mitgeteilt wird, dass die Passung hoch ist, obwohl das nicht stimmt und ein niedriger Wert ermittelt wurde. Die User verlassen sich darauf, dass die Angaben stimmen und lassen sich so in ihrem Verhalten leiten. Sie vertrauen OkCupid.

Aus dem Blogpost geht leider nicht hervor, ob wenigstens hinterher eine Aufklärung der betroffenen User stattgefunden hat, dass sie Teil eines solchen Versuchs waren.


"Sind Sie ein Narzisst?" reicht als Frage, um Narzissten zu identifizieren

Spiegel Online (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psycho-test-unnoetig-narzissten-sind-an-einer-frage-erkennbar-a-984588.html) berichtet von der Erkenntnis, dass die einzige Frage "Sind Sie ein Narzisst?" ausreicht, um narzisstische Persönlichkeiten als solche zu entdecken.

Der Originalartikel ist hier erschienen: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0103469

Statt klassische Fragebogen durchzuarbeiten wie das Narcissistic Personality Inventory (NPI) mit seinen 40 Items, wären demnach 20 Sekunden ausreichend, den Probanden brauchen, um die Single Item Narcissism Scale (SINS) durchzuarbeiten. Hier soll man im Grund nur diese eine Frage auf einer siebstufigen Skala beantworten.

Narzissten wären, so die Erklärung, stolz darauf, anderen Menschen überlegen zu sein und sähen auch kein Problem darin, sich selbst toll zu finden.

Das Selbstbild von Narzissten gilt als übertrieben positiv, aber brüchig. Zudem gelten Narzissten als deutlich weniger empathisch. Die Erscheinungsformen reichen bis hin zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung: http://www.hardtwaldklinik2.de/narzisstische-persoenlichkeitsstoerung.html  und fällt mit unter ICD-F60.8

Sonntag, 27. April 2014

Deep Learning kommt wieder - wohin führt die KI Forschung?

Das hört man schon seit den 80ern. Wer älter ist, vermutlich schon seit den 60ern: "Der Mensch hat keine Chance gegen die Technologie": http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/kuenstliche-intelligenz-google-und-apple-machen-fortschritte-a-966042.html

"Geist ist nichts weiter als ein Produkt aus geistlosen, aber intelligent miteinander verschachtelten Ober- und Unterprogrammen." So wird Marvin Minsky, Mitbegründer der Forschungsrichtung KI zitiert (nach http://www.uni-muenster.de/PeaCon/phantawi/KI/main.html).

Seit Jahrzehnten schon prognostizieren Zukunftsforscher "Künstliche Intelligenz". Wir sind uns nicht so im Klaren und einig darüber, was menschliche Intelligenz ist ("Intelligenz ist, was ein Intelligenztest misst") - wie sollen wir dann technologisch "künstliche Intelligenz" hervorbringen?

In den 90ern glaubten wir, dass es nur eine Frage der Speicherkapazität und der Rechengeschwindigkeit ist, ehe Computer intelligenter sind als Menschen und Bewusstsein sei eher eine beiläufige Folge dieser künstlichen kognitiven Kapazitäten.

Heute haben wir den Speicherplatz und die Kapazitäten. Künstliche Bewusstseinsformen haben sich dennoch nicht eingestellt.

Es sieht so aus, als hätten die Skeptiker Recht behalten: Wenn wir Siri oder andere Assistenzsysteme als Prototypen von Produkten mit künstlicher Intelligenz begegnen oder wenn man sich PC-Spiele mit simulierten Gegnern ansieht, kann man tatsächlich zu der Auffassung kommen, dass es mit künstlicher Intelligenz bisher nicht allzu weit her ist. Man belässt es eher bei der Simulation von Intelligenz.

Gerne wird auch der Turing Test herangezogen, um festzustellen, ob eine Maschine sich gegenüber eines Mensch so verhält als wäre die Maschine ein Mensch. Es ist eher ein Kommunikationsspiel.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/TED-Konferenz-Turing-Test-vor-Publikum-2152591.html?wt_mc=sm.feed.tw.ho

Dennoch: Die Fortschritte in Sachen Mustererkennung, Aggregation von Wissen und Bewertung von Daten Auswertung sind unübersehbar. Was fehlt ist die Metaebene, die Verknüpfung, das, was wir als Intuition erleben, das bestimmende Moment, das festlegt, wohin unsere Aufmerksamkeit geht. Das scheinen Maschinen nicht zu können. Das Bewusstein als die Aufmerksamkeit lenkende Instanz fehlt.

Auch maschinelle Systeme müssten in der Lage sein, ihre begrenzten Ressourcen zu verwalten, um sie zielgerecht einzusetzen. Der Mensch hat dafür sein Bewusstsein,inklusive Emotionen. Brauchen Maschinen also Bewusstsein und Emotionen oder geht es auch anders?

Maschinenlernen (Deep Learning) scheint zur Zeit (wieder) eines der wichtigsten Forschungsprojekte in diesem Bereich zu sein.
http://www.spektrum.de/alias/deep-learning/wie-maschinen-lernen-lernen/1220451

Die Gegenwehr fällt recht heftig aus. Vielleicht wird ja die Entwicklung einer menschenüberlegenen Intelligenz zu einer weiteren Kränkung der Menschheit führen.

Klar ist doch aber auch: Überleben wir ohne Maschinen. Nein. Überleben wir künftig ohne intelligente Maschinen? Wahrscheinlich nein. Viele Probleme, gerade auch numerische (Stichwort Big Data) sind uns bis heute zu groß. Viele Probleme können wir überhaupt nur noch maschinell lösen (Stichwort Pflegeroboter). Die Beziehungen von Menschen zu Maschinen werden sich ändern: Viele sind bereit, nichtbelebte Systeme als menschennah zu akzeptieren: http://www.lomu.net/lomu7_KI-emotionen.html (Stichwort Antropomorphismus).